St. Moritz-Brescia-Venice

Vom Engadin hinafu zum Bernina-Pass und dann richtung Süden
Wer bereits mit dem Zug der Rhätischen Bahn über die Albula-Linie ins Engandin angereist ist, weiss dass die "kleine Bahn" immer wieder für Überraschungen gut ist. Die Reise mit der Räthischen Bahn beginnt in St. Moritz oder Pontresina (Anschluss von Zernez -der Ostroute vom Südtirol her). Eine einmalige Aussicht bietet sich kurz danach auf die Morteratsch-Gletscherwelt in Richtung Piz Corvatsch und aufs Berninamassiv. In weiten Schleifen erklimmt der Zug die Wasserscheide auf dem Berninapass (2253 müM), bis auf gleicher Höhe wie die beiden Gletscherseen. Ein unvergesslicher Blick bietet der Halt auf der Alp Grüm. Rechts erblickt man den Palügletscher, weit unten das Val Poschiavo und in der Ferne grüssen die Veltliner/Bergamasker Alpen. Je nach Jahreszeit wandeln sich die Lärchenwälder von zartgrün auf goldgelb und der ewige Schnee bietet immer wieder eine neues Schauspiel.

 

Valposchiavo mit Poschiavo
Schon von hoch oben fällt der Blick durch die weiten Wagenfenster auf die kleine, sorgfältig gepflegte Kleinstadt Poschiavo mit den dominierenden Kirchtürmen. Poschiavo zählt nur 3600 Einwohner bietet aber beste Hotellerie, Gastronomie und gepflegte Museen.

 

Lago di Poschiavo; Das Kehrviadukt von Brusio und die „Madonna di Tirano“
Der Berninaexpress durchfährt die Talstufe Poschiavos teilweise mitten auf der Strasse. Alleine mit Wanderweg am Seeufer bietet der Zug dann eine hervorragende Aussicht auf den Lago di Poschiavo, bevor sich die Bahn mitten im Tal-Gefälle auf einem Kehrviadukt um die eigene Achse dreht. Von der Endstation Tirano (Italien), bietet die Bernina-Bahn auf der rechten Seite einen Blick auf die wundervolle Wallfahrtskirche "Madonna di Tirano" aus dem 15. Jahrhundert.

 

Von Tirano über den Aprica-Pass nach Edolo im Val Camonica
Das sehenswerte Stadtzentrum von Tirano mit seinen Palästen lassen wir hinter uns. Der Linienbus bringt uns hinauf auf den bewaldeten Abhang des mit nur 1176 müM hoch gelegenen Aprica-Pass: die Aussicht auf die Weinreben-Terrassen des gegenüber liegenden Veltlins ist überwältigend. Die Südseite des Passes führt durch Tal-Engen, wo weit unten das Flüsschen Oglio dem Lago di Iseo und dem Po entgegen strebt. In Edolo wird auf die "Val Camonica Bahn" umgestiegen. Die meist eingesetzten Stadler Triebwagen -wie im Vinschgau- mit den grossen Panoramafenstern erlauben eine angenehme Reise mit Blick auf die meist hoch oben verschneiten Bergspitzen. Da die Strassen in den Lombardei meist sehr stark befahren sind, ist die Bahnfahrt eine echte Erholung.

 

Die Felszeichnungen von Capo di Ponte; die Thermen in Boario und die „Archeopark“
Vom kleinen Bahnhof von Capo di Ponte (25 Minuten Bahnfahrt von Edolo) steigt man aus um in weitern 20 Minuten in den Nationalpark der 6000 Jahre alten Felszeichnungen (UNESCO) zu gelangen. In den Boario Thermen (wiederum 27 Minuten weiter) bieten sich Thermalquellen und eine Kurpark an. Der unweit gelegene "Archeopark" hingegen zeigt die Lebensweisen unserer Vorfahren sehr nachdrücklich und lebensnah.

 

Zum Lago di Iseo mit der grössten Süsswasserinsel „Monte Isola“
Das Tal weitete sich immer mehr und kurz nach dem Bahnhof von Pisogne, wird die Bahn beinahe zum Schiff: haarscharf fährt sie dem Ufer entlang. Das ehemalige Fischerdörfchen ist ein Geheimtipp für den kurzen Urlaub. Eine halbe Stunde lang dauert die schnelle Fahrt entlang dem tiefen See. Eine südliche Landschaft mit Palmen und Reben tut sich auf. Dann kommt die dem "Vesuv" ähnliche, grosse Insel "Monte Isola" ins Blickfeld. Erreicht wird die Insel mit der Personenfähre vom Bahnhof Sulzano. Auf der Insel sind keine Autos zugelassen, nur "Motorini" und dann vor allem Wanderer mit guten Schuhen. Das kleine Städtchen Iseo (Ausgangspunkt für längere Schiffsreisen) ist der nächste Halt und dann eilt der Zug durch eine wohl einzigartige Moorlandschaft. Es folgen die sanften Weinberge der Franciacorta, Villen und Kirchen grüssen von den Hügeln. In Brescia ist auch bereits Endstation (2 Stunden von Edolo).

 

Auf nach Brescia
Brescia ist eine Kunststadt welche wie ein Bilderbuch 2000 Jahre menschliche Kulturgeschichte offen zeigt. Vom römischen Tempelbezirk, zum UNESCO Welterbe. Santa Giulia und den grossen "Piazze" aus der Zeit als Brescia zu Venedig gehört und als die Stadt in den 30er Jahren in die Moderne der damaligen Epoche gestossen wurde. Von Brescia führt die Tour mit der Bahn Richtung Verona, Venezia oder durchs Etschtal hinauf nach Südtirol (mit Anschluss nach Innsbruck über den Brennerpass). Weiter Züge führen, auch nach Mailand sowie in die Schweiz oder Deutschland.

 

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Contura 01/2012

Sieben auf einen Streich: von St. Moritz nach Venedig